In den letzten Jahren wird das Thema eines Grundeinkommen vom Staats für alle Bürger aus meiner Sicht immer intensiver diskutiert. Ich habe dazu schon unterschiedliche Ansätze gehört: vom bedingungslosen Grundeinkommen, einem sozialen Grundeinkommen, einer Deutschlandkarte oder bis hin zu der Meinung, dass bereits Harz IV ein Grundeinkommen ist.

Ich würde dem gern eine eigene Vorstellung zur allgemeinen Versorgung der Gesellschaft hinzufügen: Bürgergeld.

Hintergrund

Ich habe mir schon viele Jahre Gedanken zum Themenkomplex Arbeit, Einkommen und Gesellschaft gemacht, denn ich bin als Software-Entwickler mit einer der »Jobvernichter« in den kommenden Jahren. Ich habe schon direkt die Aussage von Kunden gehört »Wenn Sie mir diese Funktion einbauen könnten, kann ich eine Arbeitsstelle einsparen.«

Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft immer mehr der jetzigen Aufgaben von Computern und Robotern übernommen werden. Die Gespenster KI (künstliche Intelligenz) und Industrie 4.0, die zur Zeit durch die Medien spuken, werden am Ende nicht allen Menschen den Arbeitsplatz nehmen und es werden auch viele neue Arbeitsplätze geschaffen, aber viele Tätigkeiten werden immer mehr automatisiert, weil man mit der verbesserten Technik immer besser diese Prozesse nachbilden kann.

Dies sind naturgemäß die einfachen Aufgaben, so dass durch die Automatisierung vor allem Menschen verdrängt werden, die keine hohe Qualifikation, keine Spezialisierung auf einem Gebiet besitzen. Es wird also viele Menschen der Unterschicht treffen.

<todo: Automatisierung bei Juristen>

Daher sehe ich es als notwendig an, dass sich unsere Gesellschaft mit den Themen Arbeit und Einkommen grundlegend auseinandersetzt und versucht für die Zukunft Wege zu finden, die den aktuellen und kommenden Bedingungen und Möglichkeiten von Technik und Gesellschaft gerecht werden.

Der Sinn von Arbeit

Meine Wahrnehmung ist, dass der Wert von Arbeit in der heutigen Gesellschaft stark durch die Entlohnung und das Geld geprägt ist. Davon leitet sich dann oft der Wert und die Stellung eines Mensch ab: Menschen mit höherem Einkommen werden bewundert und ihnen wird ein höherer Stellenwert zugeschrieben. <todo: Fehler in der Übertragung: ökonomischer Wert Arbeit => gesellschaftlicher Wert Mensch> Die Entlohnung der Arbeit wird aber nicht an ihrem gesellschaftlichen Wert bemessen, sondern es sind viel mehr ökonomische Gesichtspunkte, die die Höhe des Lohns bestimmen.

Arbeit wird meiner Meinung nach viel zu einseitig vom Standpunkt der Versorgung des Individuums betrachtet. Dabei Arbeit hat nicht nur den Zweck, jedem Mitglied einer Gesellschaft den Lebensunterhalt zu verschaffen, sondern es auch in die Gesellschaft zu integrieren. Die Anstellung als Arbeiter in einem Betrieb hatte für die Gemeinschaft immer mit eine integrierende Bedeutung. Die Mitglieder bilden gerade dadurch eine Gemeinschaft, weil sie zusammenkommen und gemeinsam für ein Ziel arbeiten.

Die Bedeutung der Arbeit sollte daher nicht nur über das Ergebnis, die Entlohnung, bestimmt werden, sondern auch über den Charakter der gesellschaftlichen Teilhabe. Arbeit sollte nicht nur die Aufgabe der Existenzsicherung haben, sondern auch unter dem Aspekt gesehen werden, dass es die Menschen als Gesellschaft zusammenbringt. Arbeit ist nicht nur für das Individuum und dessen Existenz wichtig, sondern auch für die Gesellschaft.

Wir benötigen an dieser Stelle ein Umdenken beim Verständnis von Arbeit. Ein Arbeitsloser darf nicht als erstes als jemand gesehen werden, der die Gemeinschaft Geld kostet bzw. keine Abgaben leistet, sondern an erster Stelle muss stehen, dass dieser Mensch (sehr wahrscheinlich) nicht mehr regelmäßig am gesellschaftlichen Leben teil nehmen kann.

Ich sehe darin eine fundamental andere Auffassung, bei der die Teilhabe an der Gesellschaft nicht als Pflicht, sondern als Recht verstanden wird. Jedem Mitglied der Gesellschaft muss die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden und eben eine solche Form der Teilhabe ist Arbeit.

Nebeneffekte der Arbeit

Wenn man vom Hauptaspekt der Arbeit – dem Austausch von Arbeitskraft und Lohn – absieht, erkennt man noch viele weitere Funktionen von Arbeit, vor allem solche mit der Bedeutung für die Gesellschaft. Damit der Austausch der zwei Waren Arbeitskraft und Lohn vollzogen werden kann, muss es mindestens zwei Personen geben, die diesen Tausch vollziehen, und irgendwie müssen diese miteinander kommunizieren. Dieser Ansatz ist sehr primitiv, aber im Allgemeinen hat ein Arbeiter Kollegen mit denen er sich unterhält und selbst auf dem Weg zur Arbeitsstätte sollten ihm noch andere Menschen begegnen, mit denen er auf die ein oder andere Weise kommuniziert.

Es klingt vielleicht sehr banal, aber als selbständiger Programmierer habe ich schon die Situation erlebt, dass ich mehrere Tage hintereinander kein einziges Wort gesprochen habe, weil ich nur an einem Auftrag gearbeitet habe und mit niemand anderem in Kontakt gekommen bin. Dies ist ein beklemmendes Gefühl, weshalb ich es für wichtig halte, dass es einen extrinsischen Antrieb für alle Menschen gibt, mit anderen Menschen regelmäßig zusammenzukommen.

Dabei denke ich vor allem an Menschen, die dazu neigen, sich zurückzuziehen und abzukapseln, weil ihnen der innere Antrieb fehlt, selbständig eine Tätigkeit aufzunehmen und mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Mit Fernsehen und Fertigessen ist es leicht, die 24 Stunden des Tages zu füllen, ohne dass man die Wohnung verlassen muss. Für diese Menschen kann Arbeit eine wichtige Pflicht sein, sich regelmäßig in die Gemeinschaft zu begeben und soziale Kontakte einzugehen.

Der Gemeinschaft wiederum gibt diese Zeit der Zusammenkunft die Möglichkeit, aufeinander achtzugeben. Eine Funktion der Gemeinschaft ist die Fürsorge für ihre Mitglieder. Dies muss nicht bevormundend sein, sondern kann ein Ratschlag oder ein Angebot sein und allein dadurch, dass erwartet wird, dass ein Mensch regelmäßig erscheint, kann man bei dessen fernbleiben geeignet reagieren.

Die Fürsorge soll an dieser Stelle wirklich als solidarisch und keineswegs als Kontrolle oder Überwachung verstanden werden.

  • Kommunikation + Sprache
  • Austausch von Wissen
  • Wertschätzung
  • Selbstverwirklichung
  • Tod nach Rente
  • Alkohol, Computerspielsucht

Grundeinkommen für gesellschaftliche Teilhabe

Wenn ein Staat seine Bürger zur regelmäßigen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben anregen und sie aus ihren vier Wänden locken will, ist Geld ein guter Motivator. Der Staat könnte jedem Bürger, der sich an der Gemeinschaft beteiligt, eine Unterstützung für sein Leben bieten.

Diese bezahlte Teilhabe an der Gemeinschaft sollte recht vielfältig ausgelegt sein

  • Ziel: Menschen in die Gesellschaft integrieren, Menschen zusammenbringen
  • Prinzip der (fast) bedingungslosen Gabe; keine Anträge oder Bedarfsprüfung
  • Neid vermeiden durch Pflicht zur gesellschaftlichen Teilhabe (Arbeit)
  • jeder mit einer Deutschen Staatsbürgerschaft bekommt Geld: Unternehmer, Angestellte, Kinder, Kranke, Rentner, Ärzte
  • Rentner und Kinder gesondert betrachten bei Forderungen und für Kinder eventuell auch bei Zuwendungen
  • Wie mit Straftätern umgehen?
  • Verteilung über Arbeitgeber (Unternehmen, Vereine, kommunale/staatliche Unternehmen)

Auswirkung auf Sozialsysteme

  • Umbau des Sozialsystem, Verschlankung: Keine Arbeitslosenversicherung, keine Rentenversicherung, Krankenkasse bleibt, aber kein Krankengeld (Bürgerversicherung)
  • Förderung für Gründer entfällt oder könnten verschlankt werden
  • Förderung von Behinderten u.a. bleibt

Förderung der Wirtschaft

  • Wirtschaftsförderung: Geld zu Beginn des Monats an Unternehmen zahlen, Lohnzahlung i. d. R. erst Mitte des Folgemonats
  • Sofortige Sperre der Arbeitgeber, falls Arbeitnehmer Zahlungsausfall melden

Umsetzung

  • Einführung langsam: zuerst 18-25 Jährige für 3 Jahre und schrittweise ausweiten; Konflikt mit bisherigen System, aktuelle Rentenansprüche u. s. w.

Notizen

  • mindestens 240€ für 8 Stunden Arbeit pro Woche, 30€ pro Stunde
  • Verschiebung der Arbeitsstunden nicht über Monatsgrenze hinaus; Extremfall 4 Tage in der ersten Woche arbeiten und die folgenden drei Wochen Urlaub (»nicht« in der Gesellschaft); keine gesonderte Regelung für Urlaub
  • Wie mit strukturellen Unterschieden in Deutschland (Stadt–Land, Nord–Süd) umgehen?
  • Tätigkeiten:
    • Pflegen öffentlicher Anlagen, Wanderwege, Radwege, Wald
    • Unterstützung in öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Bäder
    • In Firmen viele Nebentätigkeiten wie Hausmeisterdienste
    • Winterdienst
  • Befriedigung der Basisbedürfnisse, Hunger, Obdach, Ruhe
  • Erziehung, messbar erst nach 20 Jahren
  • Wirtschaft kurzfristig abrechnen, Gesellschaft langfristig
  • Nachhaltigkeit
  • positive Effekte für Arbeiter/Durchschnittsbürger, bessere Startbedingungen
  • Armutsbericht, Spiegel, Abrutschen in Armut
  • Gesellschaft entsozialisiert => Schicksalsschlag gefährlich
  • Soziale Stütze, weg von Alkohol, Drogen
  • Pflege öffentlicher Raum => (Er-)Lebensräume, Schaffung gesellschaftlichen Raum => verbessertes Lebensgefühl
  • schwache gesellschtliche schicht = unteres Drittel
  • Gemeinwohlökonomie, Buch von Felber, Punktepapier
  • kein Messen von Leistungsfähigkeit und Effizienz
  • Wie ist es in anderen Ländern? Test in Finnland, Abstimmung in der Schweiz
  • Beispiel für soziale Gemeinschaft und deren Auswirkungen http://www.deutschlandfunkkultur.de/oberndorf-in-niedersachsen-wie-guelle-ein-dorf-vor-dem.1001.de.html?dram:article_id=409074
  • Fürsprache BGE https://t3n.de/news/digitalisierung-grundeinkommen-01-sozialemarktwirtschaft-40-925863/
  • »Es widerstrebt mir persönlich: Ich will kein Geld von meinem Mann, meinen Eltern, dem Staat« Nahles -- Problem »Geschenke annehmen«, daher Bezahlung
  • Lohnarbeit = Verkauf der Arbeitskraft
  • Auto reparieren: 60er Jahre jeder, 90er Jahre Enthusiasten, jetzt Fachleute; ähnlich ein Fernseher
  • Warum über Gesellschaft nachdenken? Warum soziale Gerechtigkeit? 1. Aus Eigennutz zum Schutz des Eigentum, die anderen ruhigstellen 2. aus Selbstschutz oder Schutz der Kinder, weil die Zukunft ungewiss ist und die Möglichkeit des Scheitern (Unfall, Unglück, Lebensrisiken) existiert
  • https://www.heise.de/ix/meldung/Kommentar-Keine-Zukunft-mit-der-Cloud-3822841.html
  • Vakante Arbeitsstellen vs. Langzeitarbeitslose, Fachkräftemangel vs. schlecht bezahlte Arbeit https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nur-Top-Fachkraefte-profitieren-vom-Job-Boom-auf-dem-Arbeitsmarkt-3982035.html
  • Suche nach Gemeinschaft http://www.zeit.de/2018/09/gemeinsam-essen-berlin-heizkraftwerk-gentrifizierung-heiliger-hans
  • Pflege öffentlicher Güter (Parks, Museen)
  • »Als Gilner bei Fackelmann anfing, gab es noch Arbeit für Hilfskräfte. Fast die Hälfte sei ungelernt gewesen, sagt Gilner. Das geht heute nicht mehr.« https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/reset/fackelmann-die-rueckkehrer