Die Staatsschulden Deutschlands belaufen sich aktuell auf ca. zwei Billionen Euro belaufen und im Jahr 2016 konnten rund 18 Millarden Euro abgebaut werden. Über den Daumen gepeilt, würde der komplette Abbau der Staatsschulden ca. 100 Jahre dauern, was eine sehr lange Zeit ist.

Aber ist der Blick allein auf die Schulden überhaupt gerecht, denn in einer Bilanz einer Firma stellt man den Verbindlichkeiten das Anlagevermögen gegenüber? Müsste man bei den 2.000 Milliarden Verbindlichkeiten nicht auch sagen, welche Werte der Staat geschaffen hat?

Eine Bilanz der BRD im Sinne des Handelsgesetzbuches gibt es nicht, denn Staaten verwenden keine kaufmännische Buchführung, sondern eine kameralistische Buchführung bzw. gibt es eine Abwandlung dieser als Doppik, die an die kaufmännische Buchführung angelehnt ist. Die Daten der BRD dazu findet man im Bundeshaushalt.

Eine Bewertung der Vermögenswerte für eine kaufmännische Bilanz ist für viele öffentliche Güter auch oft nicht möglich, da es keinen Markt für Straßen, Schienenwege und Streitkräfte gibt.

Im Wikipedia-Eintrag zur Kameralistik in der Schweiz findet sich eine interessante Erklärung, weshalb Staaten sich nicht an das Prinzip des Verbindlichkeiten-Vermögens-Ausgleichs halten sollten: Öffentliche Güter sollten als Gemeinwohl angesehen werden und als nicht veräußerbar gelten. Ob ein Staat Schulden aufnehmen darf, sollte er gegenüber dem Volk rechtfertigen und nicht durch Bilanzausgleiche herbeirechnen. Ein Staat sollte nicht nach rein ökonomischen Gesichtspunkten geführt werden, sondern das Gemeinwohl in das Handeln einbeziehen.

Bei Unternehmen ist es wichtig, dass die Schulden durch entsprechendes Vermögen gedeckt ist, da sie sonst insolvent sind. Genau auf diese Prüfung zielt die kaufmännische Buchführung ab. Für einen Staat besteht aber nicht die Frage einer direkten Zahlungsfähigkeit, sondern ob Geldgeber dem Staat zutrauen, seine Verbindlichkeiten in Zukunft zu bedienen. Schuldenquote gibt an, wie viel ein Staat seiner jährlichen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft (gemessen im BIP) aufwenden müsste, um seine Schulden zu begleichen – ähnlich dem KGV bei Aktien, nur sind die Werte überhaupt nicht vergleichbar.

Fazit: Die Frage nach einer vollständigen, kaufmännischen Bilanz für die BRD ist nicht sinnvoll, in Teilen aber schon und auf Kommunalebene wird dies bereits angestrebt.

Ein Artikel vom Cicero diskutiert den Sinn einer Schuldenobergrenze und dass eine Schuldenreduktion unter Umständen mit weniger Investitionen einher geht, was sich als größere Last für die Folgegeneration auswirken kann.