Zusammenfassung: Die Begriffe Arbeit und Einkommen sind eng miteinander verknüpft, dient doch gerade die Arbeit dem Erwerb eines Einkommens zur Sicherung der eigenen Existenz. In einer Welt, in der nur noch wenige Menschen am Wertschöpfungsprozess beteiligt sind, stellt sich die Frage, ob Einkommen und Arbeit auf diese enge Weise koppelt bleiben können und ob sich die Bedeutung von Arbeit wandeln muss.

Die Gesellschaft sollte sich für die Zukunft daran orientieren, dass jedem Bürger ein Grundeinkommen zusteht, so dass Arbeit die Funktion der Existenzsicherung verliert – für ökonomische Bedürfnisse über die Grundbedürfnisse hinaus bleibt Arbeit weiterhin erhalten. Daneben müssen aber der soziale und der kulturelle Charakter der Arbeit eine stärkere Bedeutung erhalten und allen Bürgern muss der Zugang zu diesen Einkommen ermöglicht werden.

Arbeit wird unter dieser Betrachtung nicht mehr von der Funktion als Gelderwerb geprägt sein, sondern als eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe gesehen. Ein Grundeinkommen sollte daher immer an Arbeit gekoppelt sein, denn dies befördert den Zugang zu sozialem und kulturellen Kapital – »Geld allein macht nicht glücklich«.

Die gegenwärtige Bedeutung von Arbeit ist sehr stark an der kapitalistischen Produktionsweise orientiert und bewertet die Arbeit nach der vollbrachten Leistung bei der Schöpfung des Mehrwerts. Genau diese Sichtweise hat in der Vergangenheit unsere westliche Gesellschaft angetrieben und befördert, die Leistungen zu vollbringen, von denen wir heute profitieren und auf die wir stolz zurückblicken können – da wo Licht ist, ist auch Schatten und genauso wie es die Fortschritte in der Lebensweise gegeben hat, so sind auch die Zerstörung der Natur und die Leiden der Menschen, die damit einher gingen, nicht zu leugnen.

Eine der errungenen Leistungen ist die Habbarmachung des Umfelds für leichter »Drang zu leben«. Mit der Informationstechnologie haben wir gar eine Schwelle überschritten, so dass wir heute in der Lage sind, das Leben der Gesellschaft mit geringem körperlichen Einsatz zu ermöglichen. Durch den geschafften Leistungen hat sich die Arbeit also selbst fast abgeschafft. Im Moment retten wir uns noch damit, dass wir Waren produzieren und sie über Werbung mit einem vermeintlichen Wert aufladen, damit sich Unternehmen und Arbeiter anhand der bisherigen Interpretation von Arbeit wertvoll fühlen können. Aber der Anteil der Wirtschaft, der echte Bedürfnisse bedient, ist geschrumpft.

Deshalb stellt sich die Frage, welche inneren Bedürfnisse ein Mensch mit Arbeit befriedigen kann und welche Bedeutung Arbeit für ihn hat. Ein Aspekt von Arbeit, der bisher nicht im Vordergrund stand, ist die Rückkopplung mit der Außenwelt. Ein Mensch versucht bei der Arbeit auch seine Bedeutung für sein Umfeld und die Gesellschaft zu erfahren. Bisher wurde diese Bedeutung auf die sehr einfache Relation »geschaffener Mehrwert entspricht Gehalt entspricht gesellschaftlicher Bedeutung« herunter gebrochen. Jedoch hat der Wandel der Produktion und der produzierten Waren diese Beziehung ins Wanken gebracht.

Wenn die Produktion immer stärker automatisiert von Maschinen verrichtet wird, entfällt auf den menschlichen Beitrag der Mehrwertschöpfung nur noch ein kleiner Anteil. Um dann die Beziehung zu Gehalt und empfundener gesellschaftlicher Bedeutung auszugleichen, müsste der Faktor eine sehr starke Wirkung bekommen. Die Folgen, wenn dies nicht passiert, sind zum Beispiel in einigen Teilen der IT-Industrie zu beobachten: mit minimalem Einsatz werden hohe Gehälter erzielt, weil dort der alte Faktor gilt. Deshalb ist auch der Unterschied zwischen null, eins und zwei so extrem: Das Verhältnis des Gehalts eines Arbeiters außerhalb der IT-Industrie zu einem in der IT-Industrie ist groß und ebenso liegen zum Teil große Gehaltsunterschiede zwischen Arbeitern innerhalb der IT-Industrie.

Die vom Arbeiter eingebrachte Arbeitsstunde kann mit Hilfe der Hebelwirkung der Technik einen großen Mehrwert erzielen. Deshalb ist die erweiterte Relation »eingebrachte Zeit entspricht geschaffenem Mehrwert entspricht Gehalt entspricht gesellschaftlicher Bedeutung der Person« fraglich geworden.

Dies führt auf die Frage nach der Bedeutung von Arbeit: Was ist das Ziel von Arbeit und warum arbeiten Menschen? Ein Teil ist eben die Sicherung der eigenen Existenz durch die Erwirtschaftung des Gehalts und damit indirekt die Schaffung von Waren zur Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse. Dieser Anteil hat aber durch die Technologisierung wie bereits erläutert stetig abgenommen, weshalb in die Bewertung von Arbeit stärker die nicht monetäre Seite einfließen muss.

Von Pierre Bourdieu gibt es die Analyse, dass ein Mensch von unterschiedlichen Kapitalarten im Leben abhängig ist: (1) das ökonomische Kapital, (2) das soziale Kapital und (3) das kulturelle Kapital. Die bisherige Interpretation von Arbeit hat sich vorrangig auf das ökonomische Kapital gestützt: Einem Menschen, der viel Besitzt oder ein hohes Gehalt erhält, wird eine höhere gesellschaftliche Bedeutung beigemessen.

Der Umfang der Kapitale korreliert zwar untereinander und weshalb man sich vereinfachend auf das ökonomische Kapital fokussieren konnte, jedoch ist diese Verkürzung zu grob. Man muss auch die anderen beiden Kapitale im Blick haben. Einfach gesprochen: Es genügt nicht einem Menschen Geld (ökonomisches Kapital) in die Hand drücken und dann wird es etwas im Leben, sondern der Mensch bedarf auch des Austauschs und Kontakts mit anderen Menschen (des sozialen Kapitals) und will Erfahrungen sammeln und Wissen erlangen (das kulturelle Kapital).

Mit dieser Sichtweise sollte Arbeit also nicht nur die Funktion des Gelderwerbs erfüllen, sondern auch die Teilhabe an der Gesellschaft und den Erwerb von Wissen ermöglichen. Die Gewichtung der Anteile von Arbeit muss dahingehend verschoben werden, dass die monetäre Bedeutung abnimmt.

Der ökonomische Anteil an der Bedeutung der Arbeit ist stark mit der Notwendigkeit der Erhaltung der Existenz des Individuums verbunden. Wenn man genau diese Notwendigkeit durch einen anderen Weg erledigt, könnte man den ökonomischen Bedeutungsanteil der Arbeit reduzieren. Für die Zukunft ergibt sich also die Frage, wie man einem Menschen mit einem Grundeinkommen seine existenziellen Bedürfnisse befriedigen kann, so dass Arbeit viel stärker mit dem sozialen und kulturellen Schwerpunkt bewertet wird – die ökonomische Bedeutung der Arbeit soll dabei nicht verschwinden, übergroße Wohnungen und luxuriöser Konsum müssen auch weiterhin durch Arbeitsleistung erwirtschaftet werden.

Das Recht auf Arbeit

Wenn die Gesellschaft also ihre Mitglieder im Leben unterstützen will, wenn sie sie also möglichst umfangreich und ausgewogen mit den drei Kapitalarten – ökonomisches, soziales und kulturelles – versorgen will, dann ist eben nicht damit erledigt, dass man ein Grundeinkommen auszahlt, sondern man muss eben auch den Zugang zur Gesellschaft ermöglichen und fördern. Da es schwer ist, diese Grenzen zu überwinden, sollte die Gesellschaft genau dort auch unterstützend wirken und auch das soziale Kapital und das kulturelle Kapital seinen Mitgliedern zukommen lassen.

Da Arbeit einem Menschen den Zugang zu allen drei Kapitalarten bietet, sollte die Gesellschaft mit dem Grundeinkommen auch das Recht auf Arbeit gewähren und verknüpfen. Denn umgekehrt hat ebenso die Gesellschaft ein Interesse, dass ihre Mitglieder sich einbringen und an der Gesellschaft teilnehmen, dass sie soziales und kulturelles Kapital erwerben.

Ein Mensch lernt vieles erst durch sein eigenes Handeln, er muss es erleben und seine Erfahrung machen. Es kann noch so oft in einem Buch geschrieben stehen, dass andere Menschen – seien es Behinderte, Homosexuelle oder Ausländer – die gleichen Grundbedürfnisse haben und jeder seine Last zu tragen hat. Solange man dies nicht erfährt, nicht direkt damit in Kontakt kommt, bleibt dieses Wissen abstrakt und gefühlslos. Erst das Zusammenkommen und Erleben führt dazu, dass man es fühlt und mit der Situation eine Verbindung eingeht – damit in Resonanz kommt.

Auch die Erfahrung, dass man mit einem Menschen in einer Abteilung arbeiten kann, obwohl man ihn aus anderen Gründen nicht mag, dass man daran nicht stirbt und dass es einen nicht zu Grunde richtet, diese Erfahrung muss man erst machen. Viele Menschen lehnen heutzutage Dinge und Meinungen ab, weil sie sich selbst unsicher und dem Gegenüber nicht gewachsen fühlen. Ihnen fehlt die Toleranz, die Immunität, sich diesen Dingen stellen zu können und sie neben sich stehen lassen zu können.

Bei der Arbeit kommen Menschen immer wieder in vielfältiger Weise zusammen, werden mit unbekannten Situationen konfrontiert und machen ihre Erfahrungen. Genau davon reichert sich das kulturelle Kapital, das Wissen, an. Sinn der Arbeit ist nicht, Weiterbildungen zu besuchen und Fakten auswendig zu lernen. Wissensaneignung beginnt schon auf einer weniger expliziten Stufe, wenn zum Beispiel ein Kollege erzählt, dass er bei einem anderen Telefonanbieter ein gutes Angebot gefunden hat.

Es gibt so viele kleine Informationen heutzutage, die man gar nicht in Büchern oder Apps sammeln kann, die aber im täglichen Leben einen Vorteil bringen. Arbeit ermöglicht gerade auch den Zugang zu diesem Wissen, weil es in diesem Rahmen leichter ist, Hilfe für die Nebenkostenabrechnung oder das Smartphone zu finden. Einsamen Menschen fehlt der Zugang zu diesen Informationen und sie sind dadurch massiv gegenüber anderen benachteiligt.

Auch der Zugang zu Netzwerken, auch als Vitamin B bekannt, lässt sich erst aufbauen und erschließen, wenn man den Erstkontakt zu einem Netzwerk hat. Das Arbeitsumfeld als solches ist also der Einstieg und Menschen können darüber weitere Kontakte knüpfen, ihr soziales Netzwerk erweitern und damit eben die oben genannten Erfahrungen sammeln.

Die Gesellschaft selbst hat also ein Interesse daran, dass die Bürger sich einbringen und beteiligen. Deshalb ist ein Kernpunkt, das der Staat jedem eine Arbeit bietet, der will. Diese Arbeit sollte sich nur auf die Schwerpunkte Vernetzung und Bildung begrenzen. Die Erzielung von Geld über die Grenze des Grundeinkommens hinaus, sollte im Bereich der Wirtschaft bleiben.

Das Grundeinkommen

Das Grundeinkommen soll in gleicher Weise allen Bürger angeboten werden, die sich zu den Grundwerten der Gesellschaft bekennen und regelmäßig an der Gesellschaft teilhaben. (unklar ist, wie man zum Beispiel Straftäter einordnet) Ein normaler Arbeiter hat ebenso darauf Anspruch, wie ein Selbständiger, ein Obdachloser, ein Millionär oder Rentner.

Konkret könnte dies bedeuten, dass ein Grundeinkommen zu zwölf Stunden Arbeit pro Woche verpflichtet. Jedes Unternehmen kann für einen Mitarbeiter, wenn es dieser wünscht, das Grundeinkommen über das Finanzamt beziehen. Dieser Weg ist bereits durch andere Steuerzahlungen etabliert und man kann diese Infrastruktur besser modifizieren, als ein komplett neues System aufzubauen, bei dem der Staat direkt den Bürgern das Geld zahlt. Durch die Streuung über Unternehmen, verhindert man auch das Entstehen eines großen Registers der Konten aller Bürger und lässt Raum für Abweichungen, wenn zum Beispiel jemand sein Grundeinkommen bar ausgezahlt bekommen möchte. Entscheidend ist, dass der Bürger sein Grundeinkommen und gegebenenfalls zusätzlich noch eine weitere Vergütung bekommt.

Den Unternehmen könnte man damit auch eine Unterstützung bieten, dass sie das Geld am Monatsanfang erhalten, aber erst zur Zahlung am Monatsende verpflichtet sind. Somit könnten sie Investitionen in das Arbeitsverhältnis tätigen, die sie bis zum Monatsende durch andere Einnahmen ausgleichen können.

Als Unternehmen gelten ebenso Vereine und gemeinnützige Organisationen, die mit ihren Angestellten Verträge über zum Beispiel 24 Stunden pro Woche abschließen und die zusätzlichen 12 Stunden als ehrenamtliche Tätigkeit vereinbaren. Ebenso stellt die Arbeit eines Rentners im Gartenverein eine Teilnahme an der Gesellschaft im obigen Sinne dar. Jeder Grundeinkommensbezieher muss sich einer Organisation verpflichten, die ihn regelmäßig aus seinen vier Wänden raus in die Gesellschaft holt.

Erster Schritt zur Umsetzung

Da das Grundeinkommen mit vielen Paradigmen bricht, die unser bisheriges Leben bestimmen, muss die Umstellung langsam und schrittweise erfolgen; auch um die Verwaltung langsam daran anzupassen und sie nicht mit einer flächendeckenden Umstellung zu überlasten (wie zum Beispiel bei der Abwrackprämie geschehen).

Da Renten nach meinem Kenntnisstand besonderen Schutz durch das Recht genießen, sollte der Anfang besser mit den jungen Mitgliedern der Gesellschaft geschehen. Mit diesem Schritt ließen sich auch aktuelle Probleme lösen, denn die Ausbildungsvergütung zum Beispiel deckt bei einigen Lehrlingen kaum ihre Lebenshaltungskosten. Hier könnte das Grundeinkommen einen echten Ausgleich schaffen: Die Gesellschaft übernimmt die Absicherung der Existenz und die Betriebe kümmern sich um Wissensvermittlung und gesellschaftliche Teilhabe. Die Unternehmen müssen dabei aber auch den Mut haben und die juristischen Rahmenbedingungen bekommen, eine sinnvolle Gesamtarbeitszeit zu fordern. An deren Einhaltung wird der Arbeitsvertrag geknüpft und nur dadurch besteht der Anspruch auf das Grundeinkommen.

Ebenso kann eine Universität ihren Studenten das Grundeinkommen auszahlen, sofern sie die Studienordnung erfüllen, und für ein freiwilliges soziales Jahr gibt es eine Trägereinrichtung, die die Auszahlung des Grundeinkommens erbringen kann. Wer gern ein Jahr für sich im Ausland oder daheim auf der Couch verbringen will, kann dies gern tun, nur berechtigt dies nicht zum Grundeinkommen.

Also könnten im ersten Schritt von 2021 beginnend alle Bürger ab Jahrgang 1996 und jünger mit eine Arbeitsvertrag das Grundeinkommen beziehen. 2024 könnte dann eine Evaluation passieren und das System auf die Jahrgänge ab 1981 erweitert werden. Wenn dieses dann 2028 erfolgreich ist und man eine Lösung für die bisherigen Renten gefunden hat, kann es allgemeingültig werden.

Anpassung der Sozialsysteme

Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung zur Lebensstandssicherung für die Differenz zum Grundeinkommen – Wohlstandssicherung