Weshalb denkt man heute Personen- und Güterverkehr getrennt? Ich kenne Erzählungen von meiner Familie, dass früher an einigen Personenzügen noch ein oder zwei Güterwagons hingen und auf jedem Bahnhof ein Austausch von Gütern erfolgte. Heutzutage sind Fern- und Nahverkehrszüge rein für den Personentransport ausgelegt.

Früher waren an vieler Arbeit Menschen beteiligt, weil diese besser Ungenauigkeiten ausgleichen konnten. Heutzutage halten Züge aber so präzise und mit der modernen Technik, könnte man den Güteraustausch auf Bahnhöfen gut automatisieren: In den Güterwagons fährt dann ein System mit, das einem Hochregallager bei gegenwärtigen Logistikunternehmen ähnelt. Zwischen den Haltepunkten sind immer mehrere Minuten Zeit, so dass die notwendigen Güter zusammengestellt werden können. An den Bahnhöfen könnte dann eine bewegliche Schleuse wie bei Flugzeugen an den Wagon andocken und darüber die Güter be- und entladen werden. An den Bahnhöfen könnten sich Schließfächer ähnlich den Poststationen befinden, über die Empfänger ihre Güter abholen und versenden können. Über die entsprechende Vernetzung und Digitalisierung können die Transporte auch weiträumig gesteuert werden und die Empfängern kann man gezielt darüber informieren, mit welchem Zug ihre Sendung eintrifft.

Ein solches System existiert bereits in Teilen in abgewandelter Form. Unmöglich ist es also nicht. Jedoch ist fraglich, ob es nicht irgendwelche Rechtsvorschriften gibt, die den gemeinsamen Güter- und Personentransport untersagen.

Ein solches System würde sich auch indirekt mit dem Ziel decken, mehr Personen über den Zugverkehr zu transportieren. Rein schematisch gedacht, könnten die Menschen auf dem Weg zur Arbeit ihre Pakete und Päckchen mit zum Bahnhof nehmen, sie dort ins Gütertransportsystem einspeisen, und auf dem Weg nach Hause die empfangenen Güter mitnehmen. Natürlich müssten auch Großzugänge über Unternehmen und den Weitertransport geschaffen werden.

Als nachteilig erweist sich aber auch, dass die Deutsche Bahn mit dem Umbau der Bahnhöfe die Grundstücke und Immobilien verkauft hat. Die Bahnhöfe in Jena oder Erfurt auch nur auf Personen ausgelegt und bieten gar nicht mehr den Raum für einen Güteraustausch.

Philosophische Gedanken

Der Bahnverkehr müsste also in sich überdacht werden. Mir kommt dabei die Frage auf, warum es zu dieser Entwicklung kam. Wenn man es einmal darauf herunterbricht, war das Transportsystem früher eine Kombination aus Güter- und Personentransport, weil es möglich war, mit Menschen dieses komplexe System zu betreiben. Als mehr Technik und Automatisierung eingesetzt wurde, musste das System vereinfacht und in zwei getrennte Bereiche zerlegt werden, um es an die Möglichkeiten der Technik anzupassen, weil diese damals noch nicht das komplexe System bedienen konnte. Jetzt nachdem das Gesamtsystem umgebaut ist, ist allerdings auch die Technik so weit, dass sie das komplexe System bedienen kann und wir müssen wieder umbauen.

Als ähnliches Beispiel fallen mir immer Sprache und Suchmaschinen ein. In der Anfangszeit der Suchmaschinen konnten diese mit Ableitungen und zusammengesetzen Wörtern noch nicht umgehen. Begriffe wie Einbauschrank und Würfelzucker wurden bei einer Suche nach Schrank bzw. Zucker nicht gefunden, weil Suchmaschinen nicht das Konzept von Wortkomination bekannt war – ein Problem, das auch vorrangig ein deutsches und kein englisches ist. Deshalb fingen die Suchmaschinenoptimierer an, ihre Texte suchmaschinengerecht zu formulieren und schrieben lieber – sprachlich nicht sehr elegant – Einbau-Schrank und Würfel-Zucker. Auch in vielen Domainnamen gibt es diese Trennschreibweise, um für primitve Suchmaschinen besser erreichbar zu sein. Allerdings hat sich während der Umstellung auf eine primitivere Sprache, die Technik weiterentwickelt und moderne Suchmaschinen können heute mit Wortzusammensetzungen oder -ableitungen, also der komplexen Sprache, umgehen.

Analog ist auch das Wechselspiel mit Umlauten und den Verarbeitungsmöglichkeiten der Technik.

Wir befinden uns also immer in Wechselspiel mit der Technik, die wir beeinflussen und die gleichzeitig uns beeinflusst. Vielleicht sollten wir an einigen Stellen vielleicht etwas stoischer sein und darauf warten, dass die Technik sich an unser bisheriges, komplexes System angepasst hat. Hierzu fallen mir die Stichworte Kybernetik und der hegelsche Rückschritt vor dem Fortschritt ein: Unser fortgeschrittenes System von Bahnverkehr bzw. Sprache erfährt durch die primitve Technologisierung einen Rückschritt, um dann in der Wechselwirkung mit ihr zurück zum komplexeren System mit einer komplexeren Technik zu gelangen.