Bei Arte gibt es eine interessante Dokumentation für die Geschichte der Schrift: Vom Schreiben und Denken. Die Saga der Schrift.

Entstehung der Schrift

Durch das Anwachsen der Gemeinschaften von Sippen zu Dörfern und Städten kam es zu der Notwendigkeit der Organisation und damit zur Erstellen von Auf*zeichnungen*. Diese erste Stufe der Schrift war eine Bilderschrift mit Piktogrammen, die jeweils das bedeuteten, was sie darstellten: Fluss, Baum, Schlange u. s. w. Diese Form der Schrift ist natürlich und hat sich überall auf der Welt wiederholt entwickelt: Aborigines in Australien, Maya in Südamerika, Ägypter, Sumerer aus Mesopotamien, Chinesen.

Diese Bilderschrift umfasste sehr viele Zeichen, aber dennoch ließen sich keine abstrakten Wörter, für die es keine Entsprechung in der Natur gab, wie Namen oder Begriffe wie Gedanke, schön oder Freude darstellen. Da es aber kurze Worte gab, die nur einen Laut darstellten, hat man Worte aus diesen Lauten zusammengesetzt. Dieser zweite Schritt der Schriftentwicklung heißt Rebus-Prinzip und hat sich auch mehrfach wiederholt; nur bei den Aborigines nicht, weil diese offenbar die Piktogramme nicht gezeichnet haben, sondern sie nur in natürlichen Strukturen auf Felsen nachgezeichnet haben.

In Ägypten sind Wanderarbeiter aus Mesopotamien auf die Hieroglyphen getroffen und haben die Lautsymbole der Ägypter für ihre Sprache verwendet und weiter vereinfacht bzw. abstrahiert. Zurück in der Heimat haben sie dieses Zeichensystem (Alphabet) weiterverwendet. Dieser dritte Schritt ist nur ein einziges Mal passiert und alle Alphabete der Welt lassen sich auf dieses System zurückführen. Die Buchstaben aller Alphabete sind in irgendeiner Form eine Ableitung von diesem Grundalphabet und meist durch Vereinfachungen entstanden. Verbreitet wurde dieses Schriftsystem durch den Handel.

Werkzeuge prägen den Fortschritt

In Ägypten wurde Papyrus aus massenhaft am Nil wachsenden Schilf (Papyrus-Pflanze) erfunden. Dieses hatte eine glatte Oberfläche und lies sich sehr leicht beschreiben. Da es leicht und in Massen herzustellen war, war es preiswert und konnte den gesamten Mittelmeerraum als Schriftträger dienen. Im antiken Rom gab es bereits öffentliche Bibliotheken und die Bücher kosteten einen nur einen Tageslohn, sodass die Bevölkerung sehr gebildet war.

Die Verfügbarkeit von Papyrus ermöglichte auch die Organisation des römischen Reiches, denn so konnten Botschaften und Informationen über weite Strecken transportiert werden. Dieser Transport von zum Teil auch vertraulichen Informationen führte zur Entwicklung einer ersten Verschlüsselung: der Caesar-Verschlüsselung.

Mit dem Zerfall des römischen Reiches ging die Nutzung von Papyrus verloren und in Mitteleuropa wurde Pergament entwickelt; gegerbte Tiefhaut von Schweinen oder Ziegen. Die Herstellung von Pergament war sehr aufwändig und langwierig, weshalb es nur wenige verfügbar und damit teuer war. Das Schreiben auf Pergament war auch nicht so leicht wie auf Papyrus, weshalb der Prozess der Herstellung einer Handschrift (eines von Hand geschriebenen Buches) zeitaufwändig und teuer war. Die Herstellung eines edel gestalteten Buches dauerte ein Jahr und kostete so viel wie ein mittleres Haus. Dies bremste Bildung und Wissenschaft massiv aus.

In China wurde die Papierherstellung erfunden, die aber Staatsgeheimnis war. Papier führte zur chinesischen Hochkultur mit wissenschaftlichen und kulturellen (religiös und literarisch) Errungenschaften. Für die Reproduktion von Büchern wurde ein Blockdruck genutzt, bei dem eine Seite aus einer Holzplatte geschnitzt und als Stempel genutzt wurde. Durch einen Krieg geriet das Wissen um die Herstellung in die arabische Welt, wo die Technik verbessert und massenhaft genutzt wurde. Somit entwickelte sich die Blütezeit der arabischen Kultur im Mittelalter.

Im 15. Jahrhundert entwickelte Gutenberg das Verfahren von beweglichen Lettern zur Reproduktion von Büchern. Da die lateinische Schrift durch die Bedingungen des Pergaments sehr einfach und regelmäßig war, ließ sich dieses Verfahren des Buchdrucks auch gut umsetzen. Für die arabische Welt mit einer wesentlich unregelmäßigeren und kalligraphischeren Schrift als der lateinischen ließ sich jedoch kein einfaches Verfahren umsetzen, weshalb es beim Blockdruck ganzer Seiten blieb.

Der Buchdruck hat zu einer regelrechten Informationsflut geführt. Statt für die Kopie eines Buches eines Jahres zu brauchen, konnten an einer Druckerpresse 2 500 Seiten pro Tag und in einem Monat 2 500 Exemplare eines Buches hergestellt werden und von diesen Pressen gab es viele in jeder größeren Stadt.

Philosophische Gedanken

Die Entwicklung von Schrift und Schreibmaterial auf ähnliche weise zeigt sehr anschaulich, dass Ideen auf lange Zeit nicht unterdrückt werden können. Irgendwann kommt immer der Moment und der Schritt auf die nächste Stufe gelingt. Schon allein das verteilte Entstehen von Schrift und ihr jeweils ähnlicher Verlauf zeigen, dass Ideen nicht an singulären Punkten keimen, sondern parallel mehrfach hervorkommen.

Im Gegensatz dazu ist interessant, dass sich die Idee der Buchstaben so massiv durchgesetzt haben und wer von dieser Idee nichts wusste, war abgehängt. Und ebenso bei Buchdruck: wer ein unpassendes System hat, wird von der Idee überholt und abgehängt.