Hier ist ein Artikel, der sowohl bei Xing, als auch im Manager Magazin erschienen ist und die notwendigen Schritte für das kommende Jahrzehnt analysiert, als auch entsprechende Vorschläge macht.

Analyse

Bei der Analyse der Situation gehe ich vollkommen mit:

Deutschland steht nicht so gut da, wie es von der Politik gerne dargestellt wird. Wir haben die zurückliegenden zehn guten Jahre nicht dazu genutzt, die Grundlagen für die Sicherung des künftigen Wohlstands unserer alternden Gesellschaft zu schaffen. Im Vordergrund stand staatlicherseits der Konsum, während die Unternehmen ihre Investitionen im Inland zurückfuhren. Der Aufschwung wurde von externen Faktoren getragen – niedrige Zinsen, schwacher Euro, Globalisierung. Diese Faktoren sind allesamt nicht nachhaltig. Nun steht Deutschland vor der Herausforderung einer strukturellen Anpassung seiner Schlüsselindustrien und den negativen Folgen einer zu starken Exportanhängigkeit. Im Verein mit einem erheblichen Investitionsstau und mangelnden Rücklagen für die Kosten einer alternden Gesellschaft deutet dies auf eine Zukunft heftiger Verteilungskämpfe und zunehmender politischer Spannungen hin. Um diese Herausforderungen meistern zu können, gilt es, den Wohlstand zu erhalten. Dies setzt voraus, dass wir Lösungen für zwei grundlegende Probleme finden: den Rückgang der Erwerbsbevölkerung und die Stagnation der Produktivitätsfortschritte.

Das ist super auf den Punkt gebracht. Die Untätigkeit der Politik der letzten zehn Jahre hat eine riesige Blase einer heilen Weil aufgebaut, die irgendwann platzen wird und bei den es zu massiven sozialen Verteilungskämpfen kommen wird.

So rechnet die Bundesbank vor, dass nach heutiger Gesetzeslage die Beitragssätze in der Rentenversicherung bis 2040 um rund ein Drittel auf 24 Prozentpunkte steigen und parallel dazu der Bundeszuschuss von rund 3,2 Prozent des BIP auf 4,5 Prozent anwächst […]

Diesen Anstieg um ein Drittel kann man sich auch leicht aus der Bevölkerungsverteilung herleiten. Während heute auf eine Person im erwerbsfähigen Alter zwei weitere Personen kommen, werden es in etwa zehn Jahren drei seien.

Vorschläge

Der Artikel ist nur Auszug aus dem Buch Ein Traum von einem Land: Deutschland 2040 und ich weiß nicht, was der Autor sonst noch vorschlägt. Jedoch sind mir seine Vorschläge in dem Artikel zu sehr ökonomisch geprägt und zeigen zu wenig Ideen, die die sozialen Bedürfnisse des Menschen (Teilhabe an der Gesellschaft) berücksichtigen. Im Kern scheint bei ihm auch nur das Rezept »mehr, mehr, mehr« durch: um den gegenwärtigen Zustand zu erhalten, müssen wir mehr ausgeben (und Ressourcen verbrauchen). Vielleicht wäre es wirklich besser, die Ökonomen mal nicht zu befragen, sondern nach Ansätzen zu suchen, die die Verschwendung reduzieren und somit die Effizienzsteigung zu erreichen.

Dennoch steckt in dem Artikel die Forderung nach einem Grundeinkommen drin: »Ziel sollte sein, alle Sozialleistungen zu bündeln und durch pauschale Geldzahlungen zu ersetzen.« Seine Idee ist auch interessant, aber wieder nur rein ökonomischer Natur: »Besser wäre es, die Sozialleistungen auf das untere Drittel der Bevölkerung zu beschränken und durch das obere Drittel bezahlen zu lassen.«

Dass es aber Einsparpotential gibt, ist klar und am Beispiel von Österreich zeigt er auch, dass eine Reduktion der Krankenkassen möglich ist: »Statt 21 Sozialversicherungsträgern hat man nunmehr fünf, neun regionale Krankenkassen wurden zu einer zusammengelegt.« Ebenso haben auch die Niederlande vorgemacht, dass man das System aus privater und gesetzlicher Krankenkasse zu einem einheitlichen System umbauen kann.

Bei seiner Argumentation einer Effizienzsteigung im Gesundheitswesen habe ich so meine Zweifel, denn dem steht der Film Krankenhaus statt Fabrik entgegen.

Fazit

Der Artikel ist nur Ausschnitt eines Buches und ich kann nicht sagen, wie vielfältig die Vorschläge in den anderen Kapiteln sind. In diesem Teil des Buches zeigt sich jedoch ein sehr eingeschränkt ökonomischer Blick und gerade dieses begrenzte Denken hat uns in der Vergangenheit in diese missliche Lage gebracht – eine Gesellschaft besteht aus Menschen und Geld bestimmt nur einen Teil des Lebens der Menschen.

Nachtrag

Hier gibt es noch einen Beitrag »Deutschland braucht Strategie: Dekade der Vermögensvernichtung« das gleichen Autors, in dem es um die Anleihekäufe der EZB und die kommenden Probleme mit der Euro-Verschuldung geht. Leider steckt der Autor sehr in seiner ökonomischen Blase fest und präsentiert allein ökonomische Lösungen wie Vermögensaufbau. Aber ich stimme dem Autor zu, dass in den nächsten zehn Jahren viel passieren muss (und wird) und dass wir mit Blick auf Gesamteuropa eine Lösung finden müssen, vor allem aber den Scherbenhaufen aufräumen müssen, der in den letzten 15 Jahren aufgetürmt wurden.