Tja, wie das so immer ist, wenn man völlig euphorisch am Basteln ist und man glaubt, die Welt aus den Angeln heben zu können, da drückt man auch mal ganz schnell auf Löschen und schwuppdiwupp ist die System-Partition leer. Ich hatte bei Lineage-MicroG ein Image für »s2« entdeckt, das auch noch aktueller als mein bisheriges war und dann natürlich schnurstracks auf Installieren gedrückt und … der Rest sollte klar sein. Ich habe dann gemerkt, dass mit »s2« nicht das Galaxy S2 gemeint ist, sondern ein völlig anderes Gerät und somit saß ich erstmal ohne Handy da.

Leider hatte ich auch das letzte Image für mein Lineage 14.1 mehr und so war's erstmal schwierig. Ich habe dann bei XDA-Developers ein Lineage 15.0 entdeckt, aber dabei ist mir meine Vermeidungsstrategie (Neudeutsch: Workaround) auf die Füße gefallen. Vor längerem hatte ich schon entdeckt, dass ich mein Handy nicht mehr per USB an den Rechner anschließen konnte und dieses am Ende auf alle möglichen bösen Teilnehmer geschoben und einfach adb übers Netzwerk verwendet. Nur funktioniert das nicht, wenn man im TWRP (Recovery) sitzt. Also habe ich mir bei einem Bekannten eine SD-Karte geliehen und konnte dann das Lineage 15.0 installieren, nur leider stürzte dieses immer nach einigen Sekunden ab.

Bei allen versuchen mit dem USB-Anschluss hatte ich bemerkt, dass ich mit einem anderen Laptop und einem bestimmten Kabel in einer bestimmten Stellung (lange genug wackeln) eine Verbindung herstellen konnte. Offenbar ist bei mir der Stecker abgenutzt und der Kontakt klappt nicht mehr sauber. Ich hatte im XDA-Forum nämlich auch ein Lineage 17.1 entdeckt, für dass aber das komplette System umgebaut werden musst.

Mit viel Ausprobieren und Recherchieren im Internet ist es mir dann auch gelungen und ich habe jetzt ein brandneues Android 10 auf meinem zehn Jahre alten Handy und es läuft erstaunlich flüssig. Nur scheint so langsam der RAM nicht mehr auszureichen, nachdem mit Android 10 der Speicherplatz für Apps jetzt groß genug ist. Ähnlich war es auch bei meinem iBook, dass ich nach 12 Jahren dann auch ersetzen musste, weil der Arbeitsspeicher einfach zu klein und die CPU zu schwach. Irgendwann wird es auch mit dem S2 so kommen 😢, aber ich versuche es noch so lange wie möglich hinauszuschieben … wir haben ja über die Jahre schon so viel durchgemacht, das schweißt zusammen. 😊

Viele neue Funktionen von Android 10

Der Sprung von Android 7.1 zu Android 10 ist schon groß und so gab es auch viel Neues zu entdecken. Es sind einige nützliche Funktionen dabei, die ich hier mal Stück für Stück vorstellen will.

Im Folgenden werde ich immer wieder Punkte in den Einstellungen benennen, für die es leichter ist, nach ihnen in den Einstellungen mit dem Feld am oberen Rand zu suchen, anstatt sich durch die ganzen Untermenüs zu hangeln.

Speicher

Dies ist zwar keine neue Einstellung, die man beeinflussen kann, aber die Umstellung der Speicheraufteilung stellt einen gewaltigen Fortschritt dar. Bei Android 7.1 auf dem S2 waren die Dateisysteme für die App-Daten (/data) und den internen Speicher (/sdcard) noch getrennt. Ich hatte für mich davon zwar auch schon die Größe verändert, aber zum Schluss kam ich wieder an die Grenze, sodass ich keine neuen Apps installieren konnte.

Mit Android 10 (vermutlich bereits mit Android 8) wurde aber die Speicheraufteilung verändert und beide Dateisysteme zusammengelegt; /data/media/0 ist jetzt effektiv /sdcard, siehe readlink -f /sdcard und mount. Die hat den riesigen Vorteil, dass man Videos löschen kann, um Platz für Apps zu bekommen, was auf alten Androids nicht geholfen hat, weil Bilder, Videos und Dokumente getrennt von den Apps lagen.

Diese Umstellung der Partitionierung wird auch der Grund gewesen sein, weshalb es vom Lineage 14.1 kein automatisches Update auf Lineage 15 gab, denn ich musste im Download-Modus die PIT (Partitionstabelle) ändern, wodurch auch alle Daten gelöscht wurden.

Animationen deaktivieren

Über die Jahre hin ist Android immer fluffiger geworden und hat Animationen eingebaut, die … na ja, nicht unbedingt notwendig sind und Rechenkapazität verbrauchen. So brauche ich keine Animation des Fensters beim Schließen von Apps oder beim Drücken von Tasten u. s. w. Mir genügt es, wenn die Reaktion erfolgt und das lieber schnell anstatt »smooth«.

In den Systemeinstellungen gibt es bei den Bedienhilfen die Option Animation entfernen. Nur leider scheinen einige Apps darauf nicht eingestellt zu sein, denn ich habe auch beim Herumstöbern ein Osterei entdeckt, das sich aber partout nicht lösen ließ, weil die Drehung der Eins nicht klappte. Mit der deaktivierten Option kommt der Dreheffekt. Also Obacht geben, wo solche Auswirkungen auftreten, ich könnte mir vorstellen, beim Bearbeiten von Bildern und Kameraaktionen.

Organisation des Startbildschirms

Bisher hatte ich auf dem Startbildschirm nur wichtige Symbole liegen und auf einer weiteren Seite links die Terminübersicht und auf einer rechten Seite noch ein paar weitere Symbole. Bei anderen Nutzern hatte ich zuvor schon das System der Gruppierungen gesehen, das offenbar erst nach Lineage 14.1 hinzugekommen ist.

Ich habe jetzt nur noch einen Startbildschirm mit Symbolen und einen für die Terminübersicht und habe die Symbole entsprechend der Wichtigkeit und Funktion gruppiert. Alles andere mache ich weiterhin über die große Appliste.

Wenn man sich einmal seinen Startbildschirm eingerichtet hat, kann man diesen auch in den Einstellungen des Startbildschirms (5 Sekunden auf eine freie Stelle drücken und dann Bearbeiten zulassen) einfrieren, sodass sich Symbole bei der hektischen Einhandbenutzung aus dem Augenwinkel nicht verschieben oder verändern lassen.

Interessant finde ich an dieser Veränderung, dass man von einem flachen System, bei dem alle Symbole nebeneinander liegen (vielleicht noch verteilt auf mehrere Seiten, aber immer noch eben), nun zu einem hierarchischen System kommt, bei dem sich die Struktur wie die Wurzeln eines Baumes in die Tiefe verzweigen. Dieses kognitiv zu verarbeiten halte ich für eine höhere Leistung, weil man hier zum einen für die Gruppen abstrahieren muss und nicht mehr direkt Zugriff auf die Informationseinheiten hat und zum anderen muss man sich diese Navigationsstruktur im Kopf vorstellen können, um sich darin bewegen zu können. Ich beobachte auch, dass viele Nutzer genau diese Organisation von Daten sie überfordert.

Dunkles Design für die Nacht

Nachts hat mich in dunklen Räumen schon immer die helle Anzeige genervt. Jetzt gibt es eine Einstellung Dunkles Design, die sich sogar zeitabhängig automatisch aktivieren lässt. Auch viele Apps passen sich damit automatisch an.

»Bitte nicht stören«

Diese Funktion gab es bereits bei Android 7.1, aber ich finde sie dennoch erwähnenswert, weil viele diese nicht kennen. Ich mag von 21 bis 9 Uhr von Nachrichten und anderen Meldungen nicht gestört werden. Deshalb lasse ich mit dieser Funktion das Handy zeitgesteuert auf stumm schalten. Nützlich dabei ist, dass man aber wiederholte Anrufer oder Favoriten von der Stummschaltung ausnehmen kann.

Die Funktion lässt sich auch manuell im Laufe des Tages über das Symbol in den Schnelleinstellungen (oberen Bildschirmleiste) für eine auswählbare Zeitspanne aktivieren. Dies ist zum Beispiel bei Veranstaltungen hilfreich, weil ich für diese nicht immer Termine definiere und dieses berühmte Klingeln im Kino oder Konzert megapeinlich ist. In den Einstellungen kann auch eine Standarddauer festlegen, sodass die Aktivierung zu einer Einklick-Aktion wird.

Notfallinformation und Sperrbildschirmnachricht

Einen Text, der auf dem Sperrbildschirm angezeigt wird, konnte man auch schon früher festlegen; Einstellung Sperrbildschirmnachricht. Ich hatte dort schon immer meine Anschrift und die E-Mailadresse stehen, damit der Hauch einer Chance besteht, dass mein Handy zurück findet, sollte ich es mal irgendwo liegen lassen – mit meinem Portemonnaie hat dies schon einmal geklappt.

Jetzt kann man auch Notfallinformationen hinterlegen, die neben der Anschrift auch medizinische Informationen wie Medikamente enthalten. Weiterhin lassen sich auch Notfallkontakte festlegen, die auch bei gesperrtem Handy über den Knopf Notfall unterhalb der Null auf der Zifferntastatur angerufen werden können. Neben tatsächlichen Notfällen ist dies eben auch genau für die Situation eines Verlusts wahnsinnig hilfreich.

Gemeinsamer Passwortspeicher

Eine megagute Funktion ist auch mit dem Android 10 gekommen: ein Passwortspeicher über App-Grenzen hinweg. Passwörter sind lästig, aber unumgänglich in der digitalen Welt, um die Identität nachweisen zu können. Da sich digitale Passwörter leicht ausprobieren lassen oder ab und an mal bei einigen Anbietern der Öffentlichkeit zugänglich werden, ist es sehr, sehr wichtig, für jeden Anbieter ein anderes Passwort und am besten mit mehr als 20 Zeichen zu wählen. Für einen Menschen ist dies eine unerfüllbare Herausforderung, weshalb ich auf dem PC schon länger den Passwortmanager KeePassXC nutze.

Für Android ist es jetzt möglich, genau diese Annehmlichkeit auch auf dem Handy zu haben und – das finde ich besonders gut gemacht an der Lösung – man kann den Passwortmanager seiner Wahl verwenden. Somit kann ich jetzt KeePassDX für alle Apps nutzen und die Datenbank über Syncthing mit dem PC abgleichen und in KeePassXC einbinden. Unter Passwortfeldern erscheint in den Apps eine Auswahl der jeweiligen Logindaten oder man kann länger in das Feld drücken und dann Autofill auswählen. Ob die Zwei-Faktor-Authentisierung funktioniert, muss ich noch ausprobieren.

Kontrolle von Berechtigungen

Mit dem Android 10 lassen sich auch einige Berechtigungen gezielter einstellen als in den alten Versionen. Zu diesen Einstellungen gelangt man über die App-Informationen, indem man länger auf ein App-Symbol drückt und dann App-Details oder das eingekreiste I 🛈 drückt.

Zugriff aufs Netzwerk

Bei einigen Apps (z. B. die Tastatur-App) fühlt man sich wohler, wenn das System verhindert, dass sie auf das Netzwerk zugreifen. Die Einstellung gab es zwar auch schon früher, aber jetzt ist sie meiner Meinung nach leichter in den App-Details (ganz unten) zu finden und man kann mit einem Haken den kompletten Zugriff (WLAN und Mobilfunk) unterbinden.

Zum Teil ist dies auch für einige Spiele nützlich, weil diese die Werbung online holen, aber für das Spiel keinen Internetzugriff benötigen.

Benachrichtigungen

Bei Benachrichtigungen ist das Problem, dass einige Apps wichtige und sinnlose Nachrichten anzeigen. Mit Android 10 hat man eine wesentlich feingliedrigere Steuerung der Nachrichten und kann festlegen, welche Meldungen (z. B. Werbung) ausgeblendet werden sollen. Welche Nachrichten in welche Kategorie fallen ist jedoch nicht immer ersichtlich.

Am schnellsten lassen sich die Berechtigungen festlegen, indem man lange auf eine Benachrichtigung drückt und dann auf Benachrichtigung deaktivierten und zum Schluss auf Anwenden oder mit der Zurück-Taste abbrechen.

Schnelleinstellungen

Die Schnelleinstellungen sind die Symbole in der Statusleiste und können auch aufgeklappt werden, indem man mit dem Finger über die Liste von oben nach unten streicht. In den Einstellungen zur Symbolleiste kann man auch festlegen, ob das erstmalige Wischen am linken oder rechten Rand zum Öffnen führt.

Praktisch sind die Schnelleinstellungen, weil man damit einige Funktionen auf schnelleweise verändern oder bei einem längeren Drücken zu den Einstellungsdialogen springen kann. Welche Symbole angezeigt werden und deren Reihenfolge kann man mit dem kleinen Stift links unten bestimmen, wenn die Schnelleinstellungen geöffnet sind.

  • Koffein: lässt das Gerät nicht einschlafen, man kann durch mehrfaches Tippen die Dauer (Dosis) erhöhen und bei einem langen Druck wird es unendlich, bis man es wieder manuell deaktiviert.
  • Bitte nicht stören: hatte ich bereits oben erwähnt und ist nützlich, um das Handy bei Veranstaltungen lautlos zu schalten
  • Taschenlampe: Das Handy lässt sich mit dem Kamerablitz auch sehr gut als Taschenlampe verwenden. Neben diesem Knopf gibt es auch die Möglichkeit, in den Einstellungen die Taschenlampe bei abgeschaltetem Display durch langes Drücken auf den Einschaltknopf einzuschalten. Das nutze ich sehr häufig, weil dies auch im Dunkeln ohne groß zu suchen klappt.
  • Das dunkle Design: ist nachts und in dunklen Räumen praktisch, wenn das Umgebungslicht nicht sehr stark ist und das Handys sonst blendet; siehe oben. Da die automatische Umschaltung bei mir nicht zuverlässig funktioniert, schalte ich auf Bedarf manuell um.
  • mit Systemprofilen: kann man mehrere Einstellungen gleichzeitig verändern. Ich verwende zum Beispiel ein Profil Zu Hause mit WLAN an, Standort aus, erhöhter Lautstärke und anderen Einstellungen und ein Profil Unterwegs mit WLAN aus, Standort an, Datensynchronisation aus. Somit brauche ich nur das Systemprofil zu wechseln und habe mit einmal viele Einstellungen an eine Situation angepasst.
  • viele der anderen Funktionen, wie WLAN, Standort, Bluetooth, automatisches Drehen, Flugmodus, Hotspot u. s. w., erklären sich selbst anhand ihres Namens